Automatische Bewässerung klingt einfach: eine Pumpe läuft auf Timer, Wasser kommt, fertig. Das stimmt — solange alle Variablen konstant bleiben. Gefäßgröße, Substratmenge, Pflanzengröße, Wachstumsphase, Temperatur. In der Praxis ändert sich alles davon, und ein Timer-System ist zu dumm, um mitzudenken.
Das Growix-System löst das gewichtsbasiert: die Pflanze sagt selbst, wann sie Wasser braucht — über das Gewicht.
Substrat-Grundlagen — Erde, Coco oder Hydro?
| Substrat | Wasserspeicherung | Fehlertoleranz | Bewässerungsintervall |
|---|---|---|---|
| Erde (hochwertig) | Hoch | Hoch | 1–2× täglich |
| Coco Coir | Mittel | Mittel | 2–4× täglich |
| Coco + Perlite (70/30) | Mittel-niedrig | Mittel | 2–5× täglich |
| Reines Perlite | Sehr niedrig | Niedrig | Mehrmals täglich |
Der Growix Core ist für Erde und Coco-basierte Substrate optimiert — in einem Fabric-Pot mit untergestelltem Auffanggefäß. Die Kombination aus guter Wasserspeicherung und Drainage macht die gewichtsbasierte Steuerung besonders stabil.
Die Load Cell — Herz des Bewässerungssystems
Eine Load Cell ist ein Dehnungsmessstreifen-basierter Kraftsensor, der elektrische Widerstandsänderungen unter Gewichtsbelastung misst. In Kombination mit dem HX711-Verstärker-IC liefert sie eine digitale Gewichtsmessung mit einer Auflösung von ±1–5 g.
Kalibrierung — ohne die ist alles wertlos
Kalibrierung bedeutet: bekanntes Gewicht auf die Zelle legen, Rohwert notieren, Umrechnungsfaktor berechnen. Das hat in der Praxis mehrere Fallstricke:
- Temperatureinfluss: Load Cells driften bei Temperaturänderungen um 0,1–0,5 g/°C. Das Growix bezieht bei jeder Messung die aktuelle Temperatur mit ein und wendet einen Kompensationsfaktor an.
- Kriechverhalten: Unter konstanter Belastung zeigen manche Zellen langsames Kriechen. Das Nassgewicht nach dem Gießen sollte erst nach 5–10 Minuten als Referenzwert gespeichert werden.
- Überladungsschutz: Die maximale Belastung einer 5-kg-Zelle beträgt mechanisch ca. 150 % des Nennwerts — bei einem voll bewässerten 10L-Topf plus Pflanze muss die richtige Zellgröße gewählt sein.
Pumpentypen im Vergleich
| Typ | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Tauchpumpe (submersible) | Günstig, hohe Förderrate | Schwer zu dosieren, immer nass |
| Peristaltikpumpe | Exakt dosierbar, trocken lauffähig | Langsamer, teurer |
| Membranpumpe | Selbstansaugend, robust | Laut, pulsierender Strom |
Das Growix-System verwendet eine kleine Tauchpumpe im 4L Quick-Release-Tank, gesteuert über MOSFET mit PWM. Die kurze Pumpdauer (6–10 Sekunden pro Zyklus) und das anschließende Warten auf Drainage macht die fehlende Dosiergenauigkeit irrelevant — das Gewicht nach dem Gießen ist der Korrekturmechanismus, nicht die Pumpe selbst.
Der 4L Quick-Release-Tank
Der Wassertank fasst 4 Liter — bewusst so dimensioniert. Zu groß bedeutet: selteneres Befüllen, aber höheres Gewicht und fehlendes Feedback über den Wasserverbrauch.
- 4 Liter reicht bei durchschnittlichem Verbrauch für 3–5 Tage (Vegetationsphase) oder 1–2 Tage (späte Blüte)
- Quick-Release: Tank ist ohne Werkzeug entnehmbar — nach unten herausziehen, befüllen, einsetzen
- Wasserstand-Sensor warnt über Touch-UI wenn Tank unter 20 % fällt
Die Bewässerungslogik im Growix OS
Die Logik ist einfach: nicht nach Zeit gießen, sondern nach Gewichtsverlust.
- Referenzgewicht nach dem letzten Gießen speichern (5 Minuten nach Pumpe aus)
- Aktuelles Gewicht alle 30 Minuten messen
- Bei Unterschreitung des Schwellwerts (konfigurierbar pro Phase) → Pumpe an für 8 Sekunden
- 10 Minuten warten (Drainage), neues Nassgewicht als Referenz speichern
- Wenn Gewicht nicht steigt → Tank-leer-Alarm