Pflanzenwissen

Trainingsmethoden — LST, Topping und SCROG im kleinen Setup

Welche Methode für welches kompakte Setup — ohne Risiko, ohne Hype

growixclub.de · Lesezeit: 13 Min. ·

Trainingsmethoden werden im Internet fast immer ohne Kontext erklärt. Ein Artikel zeigt LST, ein anderer SCROG, ein dritter Topping — aber selten wird erklärt, welche Methode für welche Situation tatsächlich sinnvoll ist, und was passiert wenn man die falsche wählt oder den falschen Zeitpunkt trifft.

Dieser Artikel fokussiert auf kompakte Setups im Bereich 40×40 cm — die Dimension des Growix Core. Die Logik gilt analog für 60×60 cm, aber viele Empfehlungen sind speziell auf den begrenzten Raum zugeschnitten.

Warum Trainieren — die physikalische Grundlage

Untrainierte Cannabis-Pflanzen wachsen apical dominant: die Haupttriebspitze produziert Auxin, das das Wachstum der Seitentriebe hemmt. Das Ergebnis ist eine Pflanze mit einem dominanten Haupttrieb und unterentwickelten Seitentrieben — suboptimal für Ertrag und Lichtnutzung in einem geschlossenen Growsystem.

Trainieren unterbricht diese Apikaldominanz mechanisch (Biegen, LST) oder durch Entfernung der Meristeme (Topping, FIM). Das Ziel ist eine gleichmäßige Canopy, in der alle Triebspitzen auf derselben Höhe unter der Lampe sitzen und annähernd gleiche PPFD-Werte empfangen.

Physikalischer Grund für gleichmäßige Canopy: PPFD fällt quadratisch mit dem Abstand. Ein Trieb 5 cm näher an der Lampe empfängt signifikant mehr Licht als einer 5 cm weiter weg. Eine flache, gleichmäßige Canopy maximiert die gesamte absorbierte Lichtmenge.

Die vier Methoden im Vergleich

MethodeSchwierigkeitErtragspotenzialRisikoRecovery-ZeitKompaktes Setup
LSTEinfachMittel–HochSehr geringKeineSehr empfohlen
ToppingMittelHochMittel (Stress)5–10 TageEmpfohlen mit Zeit
FIMMittelMittel–HochMittel4–7 TageBedingt empfohlen
SCROGHochSehr hochGering (wenn korrekt)KeineOptimal für 40×40 cm

LST — Low Stress Training

LST ist die risikoärmste Methode und die richtige Wahl für erste Grows oder bei Genetiken mit unbekanntem Stressverhalten. Der Haupttrieb wird horizontal gebogen und mit Draht oder Clip fixiert. Seitentriebe erhalten dadurch mehr Licht und holen auf.

LST in der Vegetationsphase — konkreter Ablauf (erste 3 Wochen)

LST-Fehler vermeiden: Zu früh biegen (unter dem 4. Nod) riskiert Stammbruch. Zu harte Biegung (über 90° ohne schrittweises Gewöhnen) führt zu Knickstellen. Draht nie direkt in den Stamm schneiden — immer weiches Material oder spezielle Clips.

Topping

Topping entfernt den Haupttrieb zwischen zwei Nodien — die Pflanze reagiert mit zwei neuen Haupttrieben aus den Achselknospen darunter. Das Ergebnis ist eine Y-förmige Struktur die danach weiter trainiert wird.

Wann toppen: Erst nach dem 5.–6. Nodienabschnitt, wenn die Pflanze gesund und aktiv wächst. Niemals bei Stress, nach Umtopfen oder bei Krankheitszeichen.

Recovery-Zeit: 5–10 Tage bis die neuen Triebe aktiv wachsen. In einem 40×40 cm Setup mit begrenzter Veg-Zeit ist diese Recovery zu kalkulieren — zu spätes Topping vor dem Flip kann den Ertrag reduzieren statt steigern.

SCROG — Screen of Green

SCROG ist die effektivste Methode für kompakte Setups — und die, die am häufigsten falsch angewendet wird. Ein horizontales Gitter wird auf Canopy-Höhe gespannt. Alle Triebspitzen die durch das Gitter wachsen werden horizontal durch das Netz geführt bis eine gleichmäßige Füllung erreicht ist. Dann wird geflippt.

SCROG im Growix Core

Der Growix Core verwendet ein höhenverstellbares SCROG-Gitter auf dedizierten Halterungsschienen. Gitterhöhe: 25–35 cm über Substratoberkante (je nach Genetik). Maschenweite: 5×5 cm empfohlen für kompakte Genetiken.

Häufiger SCROG-Fehler: Zu spät flippen weil die Füllung noch nicht 100% ist. Das Ergebnis ist ein überfülltes Netz nach dem Flip — schlechte Luftzirkulation, Schimmelrisiko, Lichtkonkurrenz. 70–80% ist die richtige Schwelle.

Timing zum Flip — die kritische Entscheidung

Im kompakten Setup ist der Zeitpunkt des Flips (Umstellung auf 12/12-Lichtperiode) entscheidend. Zu früh: zu wenig Biomasse, niedriger Ertrag. Zu spät: Pflanze überwächst den Raum in der Streckungsphase nach dem Flip (typisch 50–100% Höhenzuwachs nach Flip).

Setup-HöheFlip-Höhe der PflanzeErwartete EndhöheSicherheitsabstand zur Lampe
80 cm Growraum25–30 cm50–60 cm20–30 cm
100 cm Growraum35–45 cm70–90 cm15–25 cm
140 cm Growraum (Growix)45–60 cm90–120 cm20–40 cm
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