Fast jeder Grower misst Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Fast keiner versteht, warum diese beiden Werte allein nichts aussagen. Eine Luftfeuchtigkeit von 65 % kann für deine Pflanze pures Gift sein — oder exakt das, was sie braucht. Es hängt vollständig davon ab, wie warm es gleichzeitig ist.
Wer das nicht versteht, kämpft mit Mangelerscheinungen, die keine sind — und erntet 30 % unter Potential, ohne je zu wissen warum. VPD — der Dampfdruckdefizit-Wert — ist die einzige Zahl, die wirklich beschreibt, wie viel Transpirationskapazität deine Pflanze hat.
Was VPD wirklich ist — die Physik dahinter
Pflanzen transpirieren — sie geben Wasserdampf über ihre Stomata (Blattöffnungen) an die Umgebungsluft ab. Dieser Prozess ist der Motor, der Wasser und Nährstoffe von der Wurzel in jeden Winkel der Pflanze transportiert. Ohne Transpiration kein Nährstofftransport. Kein Nährstofftransport, kein Wachstum.
Ob und wie intensiv eine Pflanze transpiriert, hängt davon ab, wie viel "Platz" die Umgebungsluft noch für Wasserdampf hat. Dieser freie Platz ist das VPD.
Der Sättigungsdampfdruck (SVP) ist die maximale Menge Wasserdampf, die Luft bei einer gegebenen Temperatur halten kann. Der tatsächliche Dampfdruck (AVP):
Je höher das VPD, desto mehr zieht die Luft Feuchtigkeit aus deiner Pflanze.
Die Formel im Detail
Der Sättigungsdampfdruck lässt sich mit der Magnus-Näherungsformel berechnen:
Konkretes Rechenbeispiel
25 °C und 65 % relative Luftfeuchtigkeit:
| Parameter | Berechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| SVP bei 25 °C | 0,6108 × e^(17,27×25/262,3) | ≈ 3,17 kPa |
| AVP | 3,17 × 0,65 | ≈ 2,06 kPa |
| VPD | 3,17 − 2,06 | 1,11 kPa ✓ |
Jetzt nur die Temperatur auf 30 °C erhöhen — Luftfeuchtigkeit bleibt 65 %: VPD springt auf 1,48 kPa. Fünf Grad Unterschied, 33 % mehr Transpirationsbelastung — bei identischem Hygrometer-Wert.
Der Faktor, den fast alle vergessen: die Blattemperatur
Was die Stomata wirklich "fühlen", ist nicht die Lufttemperatur im Raum — es ist die Temperatur des Blattes selbst. Blätter sind durch Verdunstungskälte in der Regel 1–3 °C kühler als die umgebende Luft. Das entspricht einem VPD-Fehler von 0,25–0,35 kPa — groß genug, um Wachstumsphasen falsch einzusortieren.
VPD-Zielwerte nach Wachstumsphase
| Phase | VPD-Ziel | Temp. | rF |
|---|---|---|---|
| Keimung / Steckling | 0,4–0,8 kPa | 23 °C | 70–80 % |
| Vegetativ (früh) | 0,8–1,0 kPa | 24 °C | 65–70 % |
| Vegetativ (stark) | 1,0–1,2 kPa | 25 °C | 60–65 % |
| Frühe Blüte | 1,0–1,3 kPa | 26 °C | 55–60 % |
| Blüte | 1,2–1,6 kPa | 27 °C | 50–55 % |
| Späte Blüte / Reife | 1,0–1,3 kPa | 25 °C | 55–60 % |
Wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit zusammen das VPD bestimmen — und warum dieselbe RLF bei verschiedenen Temperaturen physiologisch komplett unterschiedlich ist: Temperatur & Luftfeuchtigkeit — warum zwei Zahlen nicht reichen.
Welche Sensoren für VPD taugen
| Sensor | Temp.-Genauigkeit | rF-Genauigkeit | Eignung |
|---|---|---|---|
| SHT40 / SHT41 | ± 0,2 °C | ± 1,8 % | Empfohlen — Industriequalität |
| SHT31 | ± 0,3 °C | ± 2,0 % | Gut |
| DHT22 | ± 0,5 °C | ± 2–5 % | Akzeptabel |
| DHT11 | ± 2,0 °C | ± 5 % | Ungeeignet für VPD |
Das Growix Core System verwendet den SHT4x Industrie-Sensor. Ein Fehler von ± 2 % Luftfeuchtigkeit erzeugt bei 25 °C einen VPD-Fehler von ca. ± 0,06 kPa — das ist akzeptabel. Ein DHT11 mit ± 5 % ergibt ± 0,15 kPa — zu viel für präzise Phasensteuerung.
VPD im Growix OS — kontinuierlich, automatisch, reaktiv
- VPD-Messung alle 30 Sekunden über SHT4x Industrie-Sensor
- Echtzeit-Berechnung und Anzeige im Touch-UI als Graph
- VPD zu hoch → Lüftung erhöhen, optional Befeuchter aktivieren
- VPD zu niedrig → Lüftung reduzieren, Temperatur leicht anheben
- Ziel-VPD ist pro Wachstumsphase konfigurierbar — kein manuelles Eingreifen nötig